Greyhounds sind anders!

Gesundheit, Pflege und Freizeit - Ich bin natürlich kein Tierarzt, der Ihnen viel genauer Auskünft über Gesundheit und Krankheiten Ihres Greys geben kann, doch möchte ich Sie hier über ein paar wichtige Punkte zum Zusammenleben mit einem Greyhound informieren.

Bei jeder Vorkontrolle werden diese Punkte genau besprochen, für "Noch-Nicht-Windhund-Besitzer" eine kleine Zusammenfassung.

1.) Blutwerte

Greyhounds haben andere Blutwerte. Aus Erfahrung weiss ich, dass nicht jeder Tierarzt über Windhunde gut Bescheid weiss. Als Besitzer eines Greyhounds sollten Sie dieses Infoblatt immer bei der Hand haben und den Tierarzt Ihres Vertrauens darauf hinweisen. Sonst kann es schon vorkommen, dass Ihr Tierarzt meint, Ihr Greyhound sei schwer krank. Dieses Infoblatt klärt auf!!!

Blutwerte Greyhound.pdf

2.) Narkose

Es ist darauf zu achten, dass die Narkose vorsichtig dosiert werden muss. Die Windhundrassen unterscheiden sich durch ein erheblich anderes Verhältnis von Fett zu Muskulatur, von den anderen Hunderassen. Viele Anästhetika aber werden im Fettgewebe gespeichert. Fehlt dieses, kommt es zu einem viel höherem Anästhetikaspiegel im Blut. So führt eine Dosierung nach Körpergewicht oft zu einer Überdosis, was fatale Folgen nach sich ziehen kann. Auch muss bitte das Gewicht eines Windhundes immer vor einer OP ermittelt werden, da das Gewicht von Windhunden in der Regel falsch eingeschätzt wird.

Also wichtig: bevor Ihr Greyhound in Narkose gelegt wird unbedingt mit dem Tierarzt abklären, ob er diese Besonderheit kennt!!!

3. Greyhoundsperre

Es handelt sich dabei um eine Stoffwechselreaktion des Hundes aufgrund zu hoher Belastung, so wie sie beim Hetzen und Rennen auftreten kann.
Erklären Sie ihrem Tierarzt, es handele sich um die gleiche Krankheit, welche beim Pferd „Kreuzverschlag“ genannt wird.
Die Sperre muss unbedingt möglichst zeitnah behandelt werden, da möglicherweise akute Lebensgefahr für den Hund besteht.
Ca. 50% aller Sperren enden tödlich, weil sie entweder nicht erkannt oder falsch behandelt wurden.

Die „Greyhoundsperre“ tritt dann auf, wenn der Hund sich außerordentlich verausgabt hat, ohne in entsprechend gutem Trainingszustand gewesen zu sein.

greyhoundsperre.pdf

4. Krallenpflege

Die Krallen müssen regelmäßig geschnitten oder gedremelt werden. Ich verwende einen Dremel, da die Krallen der Greys sehr dick und stark sind. Damit ich das Leben in der Kralle nicht schädige, schleife ich die Krallen stückchenweise ab, so kann nichts passieren. Nicht jeder Greyhound lässt sich das gleich gefallen. Man muss es langsam üben und den Hund nicht überfordern.

Eine Alternative ist es natürlich, dass Schneiden dem Tierarzt zu überlassen. Aber Sie werden sehen, je öffter man es macht, desto relaxter werden Ihre Langnasen, und es gibt manche, die sogar nebenbei schlafen und sich ihre Pediküre als Wellnessbehandlung gefallen lassen.

5. Zahnpflege

Greyhounds neigen sehr zu Zahnstein. Aufgund der schlechten Haltung und dem schlechten Futter in Irland kommen viele Greyhounds mit starkem Zahnbelag oder sogar Zahnstein bei Ihren Familien an. Zahnpflege ist daher auch sehr wichtig. Regelmäßig sollten Greyhounds zB einen Ochsenziemer oder andere etwas härtere Leckerlies bekommen. Durch das Herumkauen wir der Zahnbeleg teilweise entfernt. Auch das Putzen mit einer Ultraschall-Zahnbürste wirkt phänomänal, mit regelmäßigem Üben lässt sich der Greyhound das mit der Zeit sehr gut gefallen.

6. Corns - Dornwarzen

Corns-Flyer.pdf

Corns sind schwer zu diagnostizieren:

Besitzer berichten von anfänglichem Lahmen, das urplötzlich während des Spazierengehens auftaucht, d.h. die Lahmheit tritt nicht schleichend auf. Der Hund setzt die Pfote aufgrund der Schmerzen nicht auf, oder nur vorsichtig auf der seitlichen Fußkante. An den Ballen und Pfoten Ihres Hundes ist weiter nichts, wie bspw. ein eingetretener Fremdkörper, erkennbar. Die Lahmheit bleibt die nächsten Tage über hinweg konstant bestehen. Der Zeh ist bei Palpation druckempfindlich, verhärtet und angeschwollen. Der Tierarzt hat keinen Befund im Röntgenbild erhoben, und der orthopädische Untersuchungsgang bleibt ebenfalls ohne Befund.

Bitte weisen Sie Ihren Tierarzt auf diese mögliche Krankheit hin!

7. Jagdtrieb

Was Sie nie von mir NIE hören werden: "Greyhounds kann man bedenkenlos ableinen". Und falls Sie einen Hund suchen, mit dem Sie ohne Leine spazieren gehen können, sage ich: "Der Greyhound ist der falsche Hund für Sie"!

Greyhounds werden für die Rennindustrie gezüchtet um auf der Rennbahn einem Dummyköder bzw. beim Coursing einem echten Hasen hinter her zu laufen. Damit werden sie scharf gemacht, sei es mit Hasen, Katzen oder anderen Kleintieren (es gibt genug Videos auf Youtube die das beweisen).

Greyhounds sind Sichtjäger: erspäht der Greyhound beim Spazieren eine Beute und ist nicht angeleint rennt er los wie eine Rakete. Und wir alle wissen, sie sind sehr schnell, und auch sehr schnell weg. Halten Sie einmal bei 80 km/h den Kopf aus dem Auto. Glauben Sie noch verstehen zu können was jemand Ihnen beim Vorbeifahren zuschreit? Sicher nicht! Sie können hüpfen, schreien, laufen, ihr Grey bekommt davon nichts mit, er ist weg. Sie können nur hoffen, das Ihrem Liebling und dem Kleintier nichts passiert.

Der Jagdtrieb wird immer da sein, egal wie lange Sie Ihren Liebling haben. Das kann man nicht ausknipsen, das ist antrainiert!

8. Katzen und andere Kleintiere

Viele Interessenten, die einen Greyhound adoptieren möchten, haben einen Stubentiger zu Hause. Kann ich dann trotzdem einen Greyhound adoptieren, fragen sich viele?

Jein, lautet die Antwort!

Bringen Sie viel Geduld mit? Ist Ihre Katze Hunde gewohnt?

Ich möchte es nie ganz ausschließen, schließlich hat Molly, mit 8,5 Jahren, nach 4 Monaten das Zusammenleben mit zwei Katzen geschafft. Wir haben viel trainiert, hatten auch Rückschläge, doch es hat geklappt.

Wie schon im Punkt 7 erwähnt, Greyhounds werden auch mit Katzen scharf gemacht. Aber es gibt auch katzenfreundliche Greys, jedoch sehr, sehr selten.

9. Kinder

Hier gilt das, was für alle Hundeliebhaber gilt. Hunde sind kein Spielzeugersatz für Kinder. Man muss Kindern sagen und beibringen, dass der Grey auch seine Bedürfnisse hat: viel Schlaf und Ruhe, beim Fressen will er genau so nicht gestört werden wie andere Hunde. Beim Spielen kann es schon mal gröber zugehen und ev. ein kleines Kind im Lauf unabsichtlich umstoßen. Kinder dürfen nicht auf Hunden herumkraxeln und Kinder lässt man mit Hunden grundsätzlich nicht alleine.

Ich habe seit 20 Jahren Hunde, seit 4 Jahren Greyhounds, meine Kinder sind mit Hunden und Katzen aufgewachsen. Es ist für jede Familie eine Bereicherung wenn Kinder mit Tieren aufwachsen, warum nicht mit einem Greyhound!