Faye

Das erste Jahr mit FAYE
Die Vorgeschichte zu Faye's Adoption begann eigentlich bereits 2018, als ich auf einer Hundeausstellung zum ersten Mal einem Greyhound im echten Leben begegnet bin. Es war ein Rüde aus der Show-Linie und sein Wesen hat mich einfach sofort fasziniert, denn er war nicht nur groß - er war rießig! Trotz der Größe war er so besonnen und ruhig, hatte aber gleichzeitig eine total elegante Ausstrahlung. Windhunde waren mir vorher nie wirklich aufgefallen, ich kannte ja Windspiele und Whippets...doch dieser Hund hatte etwas ganz Besonderes an sich. Ich habe mich dann näher über die Rasse informiert und bin dabei auf YouTube über die Kanäle von Greyhound Rescue und Magnus Greyhound gestoßen, die Videos zum Thema Greyhound-Adoption machen. Da habe ich erstmals davon erfahren, dass es die Möglichkeit gibt, ausrangierte Greyhounds von der Rennbahn zu adoptieren.
Durch nähere Recherche bin ich dann auf Facebook über die Organisation "Great Hounds in Need" gestolpert und wollte wissen, ob sie Greys nach Österreich vermitteln - schnell war dann der Kontakt zu Kerstin von den "Ösi-Greys" zu einer Vorkontrolle hergestellt und so ging mein "Greyhound-Abenteuer" mit der Ankunft von Faye im Jänner 2021 in Pilsen los!
Schon im ersten Moment war für mich klar, dass der Weg mit Faye kein leichter wird, denn sie hatte so viel Angst - vor Menschen, Autos, Hunden, Geräuschen, Radfahrern, plötzlichen Bewegungen...und sie war natürlich auch einfach heillos mit der neuen Situation überfordert. Die ersten Wochen war an einen Spaziergang nicht zu denken und auch der Garten war ihr unheimlich. Hätte mir damals wer gesagt, dass ich diesem Hund irgendwann die Krallen schleifen und mit ihm schmusen darf, hätte ich die Person für verrückt erklärt, denn all das schien mir unmöglich.
Wirklich "angekommen" ist sie auch erst vor ein paar Wochen nach etwas über einem Jahr, als hätte sie gemerkt, dass sie jetzt Zuhause ist. Sie freut sich wenn ich von der Arbeit komme und führt in der Früh ein lustiges "Frühstückstänzchen" auf. Auch wenn es nicht immer einfach mit Faye ist, so ist sie etwas ganz Besonderes und ich kann mir ein Leben ohne sie nicht vorstellen. An dieser Stelle möchte ich Paul von GHIN ein großes DANKE sagen, dass er sie mir anvertraut hat!
Viele haben mir wegen meiner kleinen Hündin Yuna von einem Greyhound als Zweithund abgeraten. Grund dafür ist der oft sehr ausgeprägte Jagdtrieb. Darum war es für mich wichtig, dass mein Grey auch mit kleinen Hunden zurechtkommt. Faye und Yuna waren vom ersten Augenblick ein Team, so als hätten sie schon immer zusammen gelebt. Es gab noch nie Probleme aber das liegt auch an Faye's sanftem Charakter. Sie ist unglaublich sensibel, nie aufdringlich oder ungut zu Menschen und Hunden, oft wirkt sie richtig nachdenklich und ich bin überzeugt, dass sie versteht was ich ihr sage. Manchmal merken meine Besucher gar nicht, dass da noch ein großer Hund im Raum liegt.
Vor ein paar Monaten habe ich mit ihr einen Tiefpunkt erlebt, als sie plötzlich mehrmals pro Tag in die Wohnung gepinkelt hat. Da war ich total am Ende mit den Nerven und wusste nicht mehr weiter, weil ich das Gefühl hatte, ich tue nichts außer Pipi wegzuwischen. Die Phase war dann genau so schnell wieder vorbei, wie sie gekommen ist und bis heute weiß ich nicht was der Auslöser war. Doch natürlich gibt es mit Faye auch so viele schöne Momente und einer davon war ihr erster richtiger "Zoomie" im Garten meiner Großeltern. Manchmal ist sie ein echter Clown und ihr Blick wird verschmitzt...da merkt man, dass sie ein richtiger Spaßvogel sein kann, trotz ihrer Angst, die sie wohl nie ganz ablegen wird.
Einmal Greyhound, immer Greyhound - diese Hunde lassen einen nie mehr los! Faye hat uns im Sturm erobert und ist für mich der beste Beweis dafür, dass im Leben immer alles anders kommt als man denkt. Einen ausrangierten Racing Greyhound mit all seinen Facetten zu adoptieren war eine Entscheidung, die ich immer wieder so treffen würde!

Veröffentlicht 6.4.2022